Mishkenaz
Eine Sprache, die aus Körper, innerem Empfinden und Umweltbedingungen gedacht wird — und sich verändert, wenn Menschen wandern, sich begegnen und vermischen.
Mishkenaz ist keine Ursprache. Es ist mein Forschungs- und Entwicklungsprojekt zu der Frage, wie eine Sprache entstehen könnte, wenn ihre ersten Bausteine näher an Physiologie, Wahrnehmung und innerem Empfinden liegen als an späteren abstrakten Begriffssystemen.
Meine Gedanken zur Sprache
Mich interessiert Sprache nicht nur als Wörterbuch und Grammatik. Mich interessiert der Moment davor: Was kann ein menschlicher Körper überhaupt hervorbringen? Welche Laute liegen nahe? Welche Unterschiede werden körperlich wahrgenommen? Wie werden aus Empfindung, Geste, Klang und wiederkehrender Erfahrung stabile Bedeutungen?
Von dort aus beginnt Mishkenaz. Die Sprache baut Stimmigkeit in ihre Sätze. Sie lebt stärker in der Gegenwart als in einer linearen Ordnung von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Haltung, Beziehung und der Zustand einer Aussage werden grammatisch wichtig.
Das ist kein mystischer Wahrheitsdetektor. Es ist eine Konsequenz des Sprachentwurfs: Wenn Klang, Haltung und innere Stimmigkeit enger miteinander verschränkt werden, wird eine unstimmige Aussage körperlich aufwendiger. Genau diese Reibung interessiert mich.
Sprache verändert sich unterwegs
Eine Sprache bleibt nicht rein. Menschen wandern. Gruppen trennen sich. Neue Landschaften, Klimata und Lebensweisen verändern den Alltag. Andere Sprachen werden gehört, Laute übernommen, Bedeutungen verschoben und Grammatik vereinfacht oder neu geordnet.
Darum untersuche ich Mishkenaz nicht als starres System, sondern als Sprache im Wandel. Physiologie setzt einen Rahmen. Umweltbedingungen erzeugen Druck. Migration, Isolation und Vermischung verändern Klang und Gebrauch. Manche Strukturen bleiben erkennbar, andere driften auseinander.
Atem, Mundraum, Stimme, Geste und körperlich wahrnehmbare Zustände als Ausgangsbedingungen.
Lebensbedingungen und wiederkehrende Erfahrungen als Einfluss auf Relevanz, Klang und Bedeutungsbildung.
Trennung, Kontakt und Vermischung als Motor für Drift, Varianten und neue sprachliche Schichten.
Mishkenaz in meinen Büchern
In meinen Welten ist Mishkenaz keine Erklärung, die der Leser lernen muss. Die Sprache hat dort Geschichte. Sie wurde gesprochen, weitergetragen, verändert, vergessen und in Fragmenten bewahrt. Figuren können Wörter, Lieder oder sprachliche Muster kennen, ohne das gesamte System zu verstehen.
Damit ist Mishkenaz für mich zugleich Forschungsprojekt und Werkzeug des Weltenbaus. Die linguistische Entwicklung muss eigenständig nachvollziehbar sein. In den Romanen interessiert mich dagegen, was Jahrtausende von Wanderung und kultureller Überlagerung mit einer Sprache und mit den Menschen tun, die Reste davon tragen.
Das Forschungsprojekt
Die ausführliche linguistische Arbeit wird künftig auf mishkenaz.org dokumentiert: Phonologie, Grammatik, Wandelregeln, Lexikon und Varianten. Diese Autorenseite bleibt beim Überblick und bei der Frage, wie Mishkenaz mit meinem Schreiben und meinen Welten verbunden ist.
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